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Domols

Hier werden historische Bilder, Berichte, Zeitungsartikel etc. über Ehr und Umgebung gesammelt.

Revolte in Ehr

In der Bopparder Zeitung erschien am 22.10.1910 ein großer Artikel über eine militärische Revolte in Ehr und die nachfolgende Gerichtsverhandlung im alten Posthof. Mündlich überliefert ist, dass damals Soldaten mit ihren Pferden dort untergebracht waren. Für das Futter der Pferde (Autos gabs noch nicht so viele) mussten die Bewohner von Ehr aufkommen. Das war extrem schwierig , denn so viele Bewohner gabs damals nicht und die hatten selbst Vieh, das sie nicht verhungern lassen wollten. So kam es dann zum Aufstand.

( Dat wost Zerwese Heinz noch und de hot ach verzählt, dass em eina von de Alte dat verzählt hot. Dat em Posthof domols die Perd vom Militär getouscht wore senn.)

Ich mache bei Gelegenheit mal ein besseres Bild. Zum Lesen reicht es vorläufig.

Revolte in Ehr

Während dem Erntefeste ereignete sich in dem kleinen Orte Ehr im Hunsrück eine militärische Revolte, die für die Beteiligten die schwersten Folgen haben wird. Nach monatelangen Ermittlungen begannen heute Vormittag in Ehr selbst die Verhandlungen vor dem Kriegsgerichte der 15. Division gegen die Haupttäter:

1.Den Kanonier der Reserve Göbels aus dem Landwehrbezirke Köln aus Oberkirchen; 2.Den Kanonier der Reserve Moitrour aus Gangelt Kreis Gelsenkirchen 3.Den Kanonier der Reserve Weber aus dem Landwehrbezirke Krefeld 4.Den Reservisten  Koch aus dem Landwehrbezirke Neuß, alle früher bei der 6. Batterie des Feldbatterieregiments Nr. 59 in Köln, die des militärischen Aufruhrs, der Meuterei und des tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte angeklagt sind; auch werden Ihnen noch kleiner Vergehen zur Last gelegt. In diese Sache sind auch noch einige Zivilpersonen verwickelt, darunter der Schuhmacher Liesenfeld aus Ehr, der der versuchten Tötung beschuldigt ist. Gegen diesen und einige andere Personen wird nach Beendigung des militärischen Verstoßes vorgegangen werden. Sie sind zum Teil die Urheber der Revolte, die die verblendeten jungen Leute nun wohl mit dem Zuchthaus büßen müssen. Die militärischen Angeklagten wurden kurz nach der Tat in Untersuchungshaft genommen und befinden sich im Untersuchungsgefängnis in Köln; obschon sie ihre Dienstzeit beendet haben, werden sie bis zur Beendigung des Verfahrens in Haft behalten und nach ihrer Aburteilung der Zivilbehörde überwiesen.

Am 9.September 1909 fanden sich in einer Wirtschaft in Ehr mehrere Zivilisten mit den kanonieren zusammen. Bei dieser Gelegenheit fielen aufheizende Reden und insbesondere war es auf eine Verprügelung der Unteroffiziere abgesehen. In der Nacht zum 13. September waren die Unteroffiziere der 6.  Batterie in der Wirtschaft Nick zusammengetreten, um noch einen Befehl entgegenzunehmen. Gegen 2 Uhr morgens ging der Wachtmeister Sternkopf auf den Hof, kaum war er aus der Wirtschaft hinausgetreten, kaum war er aus der Wirtschaft hinausgetreten, als aus von der Straße einige Bierflaschen nach ihm geworfen wurden, von denen eine ihm eine Wunde am Kopfe beibrachte. Trotzdem alle Unteroffiziere sofort auf die Straße eilten, konnten sie wegen der Dunkelheit Niemand sehen. Gegen 3 Uhr früh gingen die Unteroffiziere über die Dorfstraße zum Quartier des Batterieführers, um dort Befehle für den Manövertag zu erhalten. Unterwegs wurde aus einem Gesträuch, das am Straßenrande steht, zwei Schüsse auf die Unteroffiziere abgegeben. Ein Geschoss streifte den Kopf eines Serganten. Drei der Unteroffiziere legten sich auf die Lauer und stellten bald darauf einen Mann, der sich seiner Festnahme mit großer Gewalt zu entziehen suchte. Es war der kanonier Göbels, der einen Zivilrock trug. Als die Unteroffiziere zusammentraten um den G festzunehmen, wurde von der anderen Straßenseite auf die Unteroffiziere wieder zweimal geschossen. Nach einiger Ruhe kam aus dem Gebüsch, woher die Schüsse gefallen waren, der Schuster Liesenfeld, der sich seiner Festnahme energisch widersetzte, und dem ihn festhaltenden Serganten einen Schlag mit dem Revolver wider den Kopf versetzte. Liesenfeld wurde den Gendarmen übergeben. Es ist auffallend, dass sich Liesenfeld schon einige Tage vor dem Vorfall immer bei den Soldaten aufhielt und einmal sogar von dem Appellplatze  fortgewiesen wurde. Er hat in den Wirtschaften aufreizende Reden geführt und die Soldaten gegen die Unteroffiziere aufgehetzt.

Im Einzelnen sind angeklagt:

Göbels und Moitrour sich unerlaubt von der Truppe entfernt zu haben, nach gemeinschaftlicher Verabredung unter sich und mit dem  Angeklagten Weber sich zusammengerottet und mit vereinten Kräften es unternommen zu haben, Tätlichkeiten gegen Vorgesetzte zu begehen;  Moitrour soll den  Schuster Liesenfeld zu dem versuchten Totschlag durch Zureden und Ankleidung zum Gebrauche des Revolvers angestiftet und wissentlich Hilfe geleistet haben unter Mißbrauch der Waffe. Weber ist ferne beschuldigt mit Göbel und Moitrour zusammen die Tätigkeiten gegen Vorgesetzte verabredet zu haben. Doch endlich soll der Revolver, mit dem die Tat begangen worden ist, einem Oberwachtmeister gestohlen und den anderen Angeklagten Beistand geleistet haben als er als Zeuge bei seiner Vernehmung mit seiner Aussage über die Anwesenheit der drei Angeklagten in einer anderen Wirtschaft in Ehr zurückgehalten hat.

Die Verbrechen, die den drei als genannten Angeklagten zur Last gelegt werden, ist mit langjährigen Zuchthaus- und Gefängnisstrafen bedroht. Rechtsanwalt Justizrat Graeff von hier und Rechtsanwalt Courth aus Köln sind als Verteidiger bestellt. Für die Verteidigung sind 2 Tage angesetzt.

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Ehr Hunsrück 20. Januar

In der Wirtschaft Nick begann heute morgen um 10 Uhr die Verhandlung des Kriegsgericht der 15. Division gegen die früheren Kanoniere der 6. Batterie des Feld Artillerie Regimentes Nr.59  Göbels, Moitrour, Weber und Koch. Sie sind wie gestern berichtet wurde, der Meuterei und des tätlichen Angriffs gegen Vorgesetzte angeklagt. Das Gericht ist mit zwei Kriegsgerichtsräten besetzt. Den ganzen Vormittag nahm die Vernehmung der Angeklagten in Anspruch; von diesen ist Koch auf freien Fuße. Die Angeklagten Moitrour und Weber belasten sich gegenseitig,  insbesondere bestreiten sie vor dem Überfalle sich verabredet zu haben, oder gar den Angriff auf die Unteroffiziere gemeinsam ausgeführt zu haben. Nach der Vernehmung der Angeklagten findet eine Besichtigung der verschiedenen Tatorte statt. Es werden dann die militärischen Zeugen vernommen, deren Aussagen mit den Anklagen übereinstimmen. Das Ergebnis der heutigen Verhandlung ist in erster Linie sehr belastend für den Angeklagten Göbels. Der Wachmeister Kaft erklärt bestimmt, dass Göbels mit erhobenen Seitengewehr auf ihn zu gekommen und zum Schlage ausgeholt habe, darauf schlug Kaft den Göbels zu Boden. Festgestellt wird auch, dass nur ein scharfer Schuss gefallen ist; die Zeugen wollen mehrere  Schüsse, einer sogar 25 Schüsse gehört haben. Wer aber den scharfen Schuss auf den Unteroffizier abgegeben hat, ist bis jetzt noch nicht festgestellt. Einzelne Schüsse haben die Unteroffiziere zur Abschreckung der im Hinterhalte lauernden Angreifer abgegeben. Die Verabredung am Abend des 13. September, die Unteroffiziere zu verhauen, war in Ehr allgemein: die Kanoniere haben mit den Zivilpersonen gemeinsame Sache gemacht, denn die Angriffe fanden an verschiedenen Stellen statt, es wurde mit Steinen und Bierflaschen geworfen und auch geschossen.

Nach Vernehmung der militärischen Zeugen ist der Sachverhalt ziemlich geklärt. Wegen der Zeit wurde die Verhandlung auf morgen Vormittag vertagt. Für morgen sind nur noch die Zivilzeugen bestellt; aus ihren Aussagen will die Anklage die Belastungen der einzelnen Angeklagten erweisen. Der Angeklagte Koch wird unter Aufsicht gestellt.

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Ehr Hunsrück 21.Januar

In der heute fortgesetzten kriegsgerichtlichen Verhandlung wegen der Militärrevolte wurden zunächst die Angeklagten noch über einige Punkte vernommen. De Vernehmung der zahlreichen Zivilzeugen brachte für die Beweisaufnahme eine große Enttäuschung, denn die Leute hüllten sich in Schweigen, einige hatten alles vergessen, was sie in der Voruntersuchung mit aller Umständlichkeit erzählt hatten, wieder andere konnten sich nicht mehr genau erinnern. Am interessantesten war die Vernehmung des Philip Schröter. Dieser hatte in der Voruntersuchung das Zusammentreffen der Angeklagten mit dem Schuster Liesenfeld in allen Einzelheiten erzählt, insbesondere die Übergabe des Revolvers und die Erklärung der Handhabe der Waffe. Der Eindruck geht dahin, dass die Zeugen alle beeinflusst sind. Auch der Hauptzeuge, dem zur Last gelegt wird den scharfen Schuss auf den Sergeanten abgegeben zu haben, weiß heute gar nichts mehr. Die Ursache des Anschlages  auf die Unteroffiziere wurde erst in der heutigen Verhandlung ausgesagt. In dem 1. Arsenal wurden die Ausrüstungsstücke der Unteroffiziere zerschnitten; man nahm an dass dies ein Schabernack der  alten Leute war, um die Unteroffiziere in Verlegenheit zu bringen. Da kein Täter ermittelt wurde mussten die alten Leute die Sachen der Unteroffiziere im 2. Arsenal bewachen. So entstand an einem Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst in Halsenbach das Gerede: In Ehr da liegt die Schinderbatterie, da gibt’s heute ein Zwiebelsonntag. Tatsächlich liegt gegen die Unteroffiziere nichts Belastendes vor. Trotzdem fanden die jungen Ehrer Burschen bei den Soldaten willige Helfer bei den Angriffen auf die Unteroffiziere. In seiner Verteidigungsrede griff der Rechtsanwalt Kourth die Ehrer Burschen scharf an und betonte dass, wenn schwere Strafen gegen die Angeklagten herauskämen, die Angeklagten sich bei diesen bedanken könnten für ihr Unglück und für das große Leid, dass über die Familien der Verurteilten gekommen sei.

Das Urteil geht dahin:

Der Angeklagte Göbels wird wegen Meuterei und tätlichen Angriffs zu fünf Jahren Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere,

Moitrour wegen Beteiligung an einem militärischen Aufruhre zu fünf Jahren Gefängnis und Versetzung in die 2 Klasse des Soldatenstandes,

Weber wegen desselben Vergehens und Diebstahls (er hatte in einem Quartier einen Sack Hafer gestohlen, den er seinen Pferden gefüttert hatte) zu fünf Jahren einem Tage Gefängnis und 2. Klasse verurteilt,

Koch wurde freigesprochen.

Das Festbuch

zum 175jährigen Jubelfeste des Kirchenchors Cäcilia zu Halsenbach im Juli 1927 ist ein Dachbodenfund im Schlessje vor einem Hausabriss. Zum Onlinelesen habe ich eine Bildergalerie erstellt. Wer das Kleinod selbst besitzen möchte kann es hier herunterladen.

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